Früher stand David Perren den ganzen Tag in der Küche und kochte für Gäste. Bis zu dem schicksalhaften Tag im Jahr 2007, an dem der damals 21-Jährige als Beifahrer in einen Autounfall verwickelt wurde. Sein unterster Halswirbel war zertrümmert, das Rückenmark gequetscht. Die Diagnose: inkomplette Tetraplegie
Nach der Reha folgten Umschulungen, Weiterbildungen und ein neues Leben im Rollstuhl. Der lebensfrohe Mann hat sich arrangiert und verreist auch gerne. Seine Ferien in die verschiedensten Länder organisiert er meist selbst. Diese Erfahrungen kommen ihm in seinem Beruf zugute. Er ist Sachbearbeiter Tourismus inklusiv bei der Fachstelle für barrierefreies Reisen bei Procap Reisen.
Auf nach Island
Eine der wenigen Reisen, die David Perren nicht selbst gebucht hat, sondern Procap Reisen, hat ihn mit seiner Frau und der gemeinsamen kleinen Tochter im Herbst 2022 nach Island geführt. Die Landschaft wechselt von grünen Wiesen mit Schafen zu karger, fast mondlandschaftähnlicher Umgebung. Gespickt mit einmaligen Naturstimmungen, riesigen Wasserfällen, Vulkanen, Geysiren und je nach Jahreszeit auch Nordlichtern.
Für den Flug nach Reykjavik meldete der Reiseveranstalter den Rollstuhl und den Swiss-Trac bei der Fluggesellschaft an. Auch kümmerte er sich um alle notwendigen Dokumente, die einen reibungslosen Ablauf beim Check-in ermöglichen. Ins Flugzeug gelangen Rollstuhlfahrende üblicherweise mit einem Board-Rollstuhl, der im Gang zum Sitzplatz geschoben wird.
Reykjavik hat vieles zu bieten, auch mit Rollstuhl
In Island angekommen, ging es zuerst in Reykjaviks Innenstadt, wo sie zwei Nächte blieben. Der Wind blies so stark, dass die Tochter richtig Angst bekam. «Solche Winde kommen in unserem Breitengrad selten vor», erzählt David Perren. Am zweiten Tag besuchten sie die Hallgrimskirkja, die berühmte Kirche und das Wahrzeichen der Stadt. «Leider fährt der Lift nicht bis ganz nach oben», führt David Perren aus. Doch die Stadt hat vieles zu bieten, was auch mit Rollstuhl machbar ist, wie die Skulptur Sun Voyager, das Konzerthaus Harpa oder das Perlan Museum.
Weiter ging die Reise mit dem Mietauto, das David Perrens Frau fuhr. «Im Vorfeld gab mir ein isländischer Reiseveranstalter einige gute Ausflugstipps, die mit dem Rollstuhl machbar sind», erzählt er weiter. So konnte die Familie entscheiden, welche Sehenswürdigkeit sie besuchen wollte. Die Rundreise mit im Voraus gebuchten Hotels verlief quer durch den Süden. Im vollgepackten Kofferraum lag auch der Swiss-Trac für jegliche Ausflüge parat.

David Perren kam mithilfe seines Swiss-Tracs in Reykjavik entspannt von A nach B.
Mit dem Swiss-Trac auf holprigen Wegen unterwegs
Die Hauptrouten sind gut befahrbar, und bei den Sehenswürdigkeiten kann man mit dem Rollstuhl oft nah heranfahren. Zum Beispiel beim Wasserfall Skógafoss. Der Strand Reynisfjara ist bekannt für seinen schwarzen Sand und Steine, die aussehen wie Orgelpfeifen. Diesen bestaunt man mit Rollstuhl jedoch aus der Distanz. Dank dem mitgeführten Swiss-Trac konnte die Familie viele Zugangswege bewältigen und so mehr sehen und geniessen.
Wie so oft auf Reisen passierte auch der Familie Perren Unverhofftes. «Die Querstange der Fusshalterung am Rollstuhl brach und behinderte das Fortkommen», erzählt David Perren lachend. Mit vereinten Kräften befestigten seine Frau und Einheimische die Stange mit Verbandsmaterial und Kabelbinder. Sie hielt, bis sie wieder zu Hause in der Schweiz waren, wo die Halterung wieder verschweisst wurde.

Bild links: Auf einem ungeteerten Boden, wie hier beim Skógafoss, unterstützt der Swiss-Trac das Vorwärtskommen enorm.
Bild rechts: Improvisieren war gefragt: die mit Verbandsmaterial und Kabelbinder befestigte Querstange der Fusshalterung.
Einrichtungen in Island sind gut ausgerichtet
Für David Perren, der in einem Aktivrollstuhl unterwegs ist, waren die Einrichtungen in Island gut auf seine Bedürfnisse ausgerichtet. Er schwärmt vom öffentlichen Bad und erzählt, dort einen Baderollstuhl, einen Duschsitz und eine Liege vorgefunden zu haben. Gut vorbereitet und geplant werden auch Reisen mit Rollstuhl zu unvergesslichen Erlebnissen, die niemand missen sollte. Der Fachmann hat einen wichtigen Tipp an Reiselustige: «Klärt im Vorfeld ab, ob eure Bedürfnisse gedeckt sind, es lohnt sich.»
