Welche Autoumbauten sind möglich?
Je nach Bedarf können Fahrzeuge so angepasst werden, dass sie selbständig gefahren, einfacher betreten oder sicher für den Transport im Rollstuhl genutzt werden können. Die möglichen Umbauten lassen sich grob in drei Bereiche einteilen: aktives Fahren, sicheres Mitfahren und ergänzende Anpassungen. Welche Lösung geeignet ist, hängt immer von der körperlichen Situation, dem Fahrzeug, dem Einsatzzweck und den Platzverhältnissen ab.
Aktives Fahren
Für Personen, die das Fahrzeug selbst lenken, stehen verschiedene Bedien- und Zugangslösungen zur Verfügung. Diese werden unter dem Begriff Aktivfahrerumbau zusammengefasst. Ziel ist es, die Fahrzeugbedienung so anzupassen, dass Gas, Bremse, Lenkung und weitere Funktionen sicher erreicht und zuverlässig bedient werden können. Wenn die Pedale nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden können, kommen beispielsweise Handbedienungen für Gas und Bremse zum Einsatz. Dabei werden Beschleunigen und Bremsen über einen Hebel oder ein anderes Bedienelement von Hand ausgeführt. Je nach System erfolgt die Bedienung durch Ziehen, Drücken oder eine kombinierte Bewegung.
Für die Bedienung des Lenkrads können Lenkraddrehknäufe oder andere Lenkhilfen eingesetzt werden. Sie ermöglichen es, das Lenkrad mit einer Hand kontrolliert zu führen. In Kombination mit einer Handbedienung für Gas und Bremse kann so eine vollständige Fahrzeugbedienung ohne Pedalnutzung möglich werden.
Bei komplexeren Einschränkungen können auch weitergehende Lösungen wie Gasring-Systeme oder Joystick-Steuerungen geprüft werden. Gasringe ermöglichen das Beschleunigen direkt am Lenkrad, während Joystick-Systeme je nach Ausführung mehrere Fahrfunktionen über ein zentrales Bedienelement zusammenführen können. Solche Systeme erfordern in der Regel eine besonders genaue Abklärung und eine entsprechende Fahreignungsprüfung.
Auch der Zugang zum Fahrzeug spielt beim Aktivfahrerumbau eine wichtige Rolle. Wenn das Umsetzen vom Rollstuhl auf den Fahrersitz erschwert ist, können Transferhilfen, Schwenksitze, Einstiegslifte oder andere Einstiegslösungen eingesetzt werden. Für den Rollstuhl selbst stehen je nach Fahrzeug und Situation verschiedene Rollstuhlverladehilfen zur Verfügung, etwa Systeme für den Innenraum, den Kofferraum oder den Bereich hinter dem Fahrersitz.
Typische Aktivfahrer-Anpassungen sind zum Beispiel:
- Handbedienungen für Gas und Bremse
- Gasring-Systeme
- Joystick-Steuerungen
- Lenkraddrehknäufe und weitere Lenkhilfen
- Transferhilfen und Schwenksitze
- Einstiegslifte
- Rollstuhlverladehilfen
- elektrische Türöffnungen
Sicheres Mitfahren (Passivfahrer)
Für Passivfahrer:innen steht der sichere und möglichst komfortable Transport im Vordergrund. Dies betrifft insbesondere Personen, die im Rollstuhl sitzend in einem Fahrzeug mitfahren. In diesem Bereich spricht man von einem Passivfahrerumbau.
Für den Einstieg einer im Rollstuhl sitzenden Person stehen verschiedene Lösungen zur Verfügung. Eine einfache Möglichkeit ist eine Heckrampe, über die der Rollstuhl in das Fahrzeug geschoben oder gefahren werden kann. Je nach Fahrzeughöhe, Platzverhältnissen und Rampenlänge kann dies eine praktikable Lösung sein. Bei höheren Fahrzeugen oder wenn eine Rampe zu steil wäre, kommen verschiedene Liftsysteme zum Einsatz. Dazu gehören zum Beispiel Linearlifte oder Unterflurlifte. Diese heben die Person im Rollstuhl auf das Fahrzeugniveau und ermöglichen den Einstieg über die Seiten- oder Hecköffnung.
Die Wahl des Systems hängt unter anderem davon ab, ob der Innenraum frei bleiben soll, wie viel Platz im Fahrzeug vorhanden ist und wie häufig der Lift genutzt wird. Eine weitere Möglichkeit ist der Heckausschnitt. Dabei wird das Fahrzeug im hinteren Bereich baulich angepasst: Der Fahrzeugboden wird ausgeschnitten und mit einer Rollstuhlwanne beziehungsweise einer neuen Bodenkonstruktion aufgebaut. Dadurch kann die Einstiegshöhe reduziert und der Rollstuhl tiefer im Fahrzeug positioniert werden. Das kann den Einstieg erleichtern und die Sitzposition im Fahrzeug verbessern. Beim Transport im Rollstuhl ist nicht nur der Einstieg entscheidend, sondern auch die sichere Fixierung während der Fahrt. Dafür werden Rollstuhl- und Personenrückhaltesysteme eingesetzt. Sie sichern den Rollstuhl im Fahrzeug und stellen sicher, dass die Person mit einem geeigneten Rückhaltesystem geschützt ist. Ergänzend können je nach Situation ein Kopf- und Rückenschutz sowie angepasste Innenraumlösungen erforderlich sein.
Mögliche Passivfahrer-Anpassungen sind unter anderem:
- Heckrampen
- Heckausschnitte
- Rollstuhl- und Personenrückhaltesysteme
- Kopf- und Rückenschutz
- Linear‑, Kassetten- und Unterflurlift-Systeme
- angepasste Boden- und Innenraumlösungen
Ergänzende Anpassungen
Neben den klassischen Aktiv- und Passivfahrerumbauten gibt es zahlreiche ergänzende Anpassungen, die den Alltag mit dem Fahrzeug erleichtern können. Dazu gehören Lösungen, die den Einstieg, den Transfer, das Verstauen von Hilfsmitteln oder die Bedienung einzelner Fahrzeugfunktionen verbessern. Bei Personen, die vom Rollstuhl auf den Fahrzeugsitz wechseln, können Transferlösungen helfen. Dazu zählen beispielsweise Rutschbretter, Drehsitze, Schwenksitze oder elektrisch unterstützte Transfersysteme. Je nach körperlicher Situation kann dadurch der Wechsel zwischen Rollstuhl und Fahrzeugsitz deutlich erleichtert werden. Für das Verstauen des Rollstuhls oder anderer Hilfsmittel stehen verschiedene Verladehilfen zur Verfügung. Diese können den Rollstuhl in den Kofferraum, auf eine Ladefläche oder in den Innenraum des Fahrzeugs bewegen. Je nach System erfolgt die Bedienung manuell, elektrisch oder vollautomatisch. Weitere Anpassungen betreffen die Sicherheit und Bedienbarkeit des Fahrzeugs. Eine Pedalsicherung kann zum Beispiel verhindern, dass Pedale unbeabsichtigt betätigt werden. Elektrische Zusatzfunktionen können Türen, Heckklappen, Sitze oder andere Bedienelemente leichter zugänglich machen. Auch Bodenanpassungen, Halterungen oder individuelle Bedienlösungen können erforderlich sein, wenn Standardlösungen nicht ausreichen.
Ergänzende Anpassungen können sein:
- Transferlösungen
- Verladehilfen
- Pedalsicherungen
- Bodenanpassungen
- elektrische Zusatzfunktionen
- individuelle Halterungs- und Bedienlösungen
Was müssen Klient:innen besonders beachten?
Ein Autoumbau sollte sorgfältig vorbereitet werden. Vor der Fahrzeugwahl und vor dem Einholen einer Offerte müssen die Fahreignung, die körperlichen Voraussetzungen, der Krankheitsverlauf sowie die technische Eignung des Fahrzeugs geklärt sein. Gerade bei Aktivfahrer-Umbauten gelten erhöhte Anforderungen an Sicherheit, Bedienbarkeit und behördliche Zulassung.
Da Autoumbauten je nach Situation sehr unterschiedlich ausfallen können, empfiehlt sich eine frühzeitige Beratung durch die SAHB. Auch die Abklärung durch den Umbauer sollte persönlich erfolgen, selbst dann, wenn lediglich eine Zweitofferte benötigt wird. Nur so können bestehende Hilfsmittel, das Fahrzeug, bestehende und nötige Platzverhältnisse sowie Alltagssituation korrekt beurteilt werden.
Bei IV-finanzierten Umbauten stehen einfache und zweckmässige Lösungen im Vordergrund. Umfangreiche oder kostenintensive Umbauten müssen besonders gut begründet und sorgfältig geprüft werden.
Wichtige Abklärungen vor einem Autoumbau
Fahreignung
Bei Aktivfahrer-Umbauten muss geklärt sein, ob die versicherte Person das Fahrzeug mit der vorgesehenen Anpassung sicher bedienen kann. Je nach Situation sind eine medizinisch-technische Fahreignungsabklärung, eine Verfügung des Strassenverkehrsamts sowie eine Fahrprüfung auf dem benötigten System erforderlich.
Zu prüfen sind insbesondere:
- Fahreignung und behördliche Auflagen
- erforderliches Bedienungssystem
- erfolgreiche Fahrprüfung auf dem angepassten System
- gültige Fahrerlaubnis für die vorgesehene Anpassung
Medizinische Voraussetzungen
Die körperlichen Fähigkeiten müssen eine sichere und langfristige Nutzung des Umbaus ermöglichen. Bei fortschreitenden Erkrankungen ist besonders sorgfältig zu prüfen, ob die geplante Lösung auch mittelfristig geeignet bleibt.
Wichtig sind insbesondere:
- sichere Bedienbarkeit des Fahrzeugs
- stabile gesundheitliche Situation
- Berücksichtigung des Krankheitsverlaufs
- realistische langfristige Nutzung
Fahrzeugwahl
Nicht jedes Fahrzeug eignet sich für jeden Umbau. Alter, Kilometerstand, Bauform, Innenraum, Einstiegshöhe und technische Ausstattung können entscheidend sein. Auch werkseitige Optionen wie elektrische Türen, tiefer Fahrzeugboden oder geeignete Sitzkonzepte sollten früh geprüft werden.
Zu beachten sind insbesondere:
- Modell, Alter und Kilometerstand
- Platzverhältnisse und Einstiegssituation
- technische Kompatibilität mit dem geplanten Umbau
- vorhandene oder fehlende Werksoptionen
- Eignung für Aktivfahrer- oder Passivfahrer-Umbau
Art und Umfang des Umbaus
Vor der Einreichung bei der IV muss klar beschrieben sein, welche Anpassung notwendig ist und weshalb. Dazu gehören eine technische Beschreibung, eine nachvollziehbare Begründung sowie eine vollständige Offerte des Umbauers.
Bei der Prüfung werden unter anderem folgende Punkte berücksichtigt:
- Art des Umbaus: Aktivfahrer oder Passivfahrer
- Technische Notwendigkeit der Massnahme
- Angemessenheit der Lösung
- Kostenhöhe und Verhältnismässigkeit
- IV-relevante Vorgaben, z. B. Fahrzeugwechselintervalle und Kostenrahmen