Birgit und Stefan Kündig leben in einer wunderschönen, wilden und typischen Landschaft des Juras. Gemeinsam betreiben sie auf 800 m ü. M. einen 47 Hektar grossen Bio-Bauernhof mit 36 Hektaren Wald. Sie haben etwa 15 graue Mutterkühe und 120 Mutterschafe. Ihr Hof liegt direkt an der Röstigraben-Route, die von Delémont nach Zermatt führt, und ist von Norden her die zweite Schlafstation für Wandernde. Diese übernachten im Massenlager oder in Zimmern.
Hof trotz Diagnose übernommen
Die Arbeit auf dem Hof erledigen sie – abgesehen von einer Haushaltshilfe für Birgit Kündig – allein. Das ist beeindruckend, denn die 50-Jährige hat Multiple Sklerose (MS). «Die Diagnose habe ich bereits mit 25 Jahren erhalten», erinnert sie sich. Damals war Birgit Kündig als Sozialpädagogin tätig und auf Jugendarbeit spezialisiert. Doch die Liebe zu Tieren, insbesondere zu Schafen, war stärker. So entschied sich das Paar trotz der Diagnose dazu, den Bauernhof an der Grenze zwischen den Kantonen Solothurn und Jura zu übernehmen und auszubauen.
Die Krankheit verlief anfänglich mit wenigen, jedoch starken Schüben. Seit ca. 15 Jahren ist klar, dass es sich um die sekundär progrediente Multiple Sklerose handelt, also eine schubunabhängige Zunahme der Behinderung (s. Kasten). Birgit hat nie mit ihrer Situation gehadert. Sie war und ist psychisch stabil. Nebst den fortschreitenden körperlichen Einschränkungen setzt ihr vor allem die starke Müdigkeit zu. Diese führte auch dazu, dass sie eine Zeit lang keine Hühner mehr auf dem Hof gehalten haben und sie beim Lammen nicht mehr mithelfen kann.
Nur wenige Hilfsmittel
Birgit Kündig ist sehr bescheiden und benötigt nur wenige Hilfsmittel. Zum Gehen reichen ihr zwei gewöhnliche Holzstöcke. Im Badezimmer hilft ihr Stefan aus der Badewanne. Das Massenlager mit 28 Betten für Wandernde und Feriengäste befindet sich im obersten Stock des Gebäudes. Um dorthin zu gelangen, bat sie lediglich um einen Handlauf. Ein alter Occasionsrollstuhl tat viele Jahre seine Dienste, bis sie ihn ersetzen musste. «Ich schaffte ihn damals an, damit ich mit einer Freundin an ein Konzert gehen konnte», erzählt sie. Der Rollstuhl blieb seither ein treuer Begleiter. Jetzt hat sie einen neuen. «Anfang 2022 fragte ich bei der SAHB für einen neuen Handrollstuhl», so Birgit Kündig und sagt weiter: «Aufgrund der Wohnlage und der Mithilfe auf dem Hof empfahl mir mein Berater der SAHB einen Elektrorollstuhl.»

Die zwei einfachen Holzstöcke hinter Birgit Kündig reichen ihr zum Gehen.
Endlich wieder mit den Hunden raus
Sie war darüber erstaunt, dass sie nun auf einen Elektrorollstuhl wechseln sollte. «Mein Berater erklärte mir, dass das anspruchsvolle Gelände nicht für einen einfachen Rollstuhl geeignet ist», führt Birgit Kündig aus. So kam es, dass sie seit dem Jahr 2022 stolze Besitzerin eines JST Mountain Drive ist. Ihre Freude darüber ist sehr gross. Endlich kann sie wieder mit den Hunden Spaziergänge machen und mit ihnen trainieren. Nun gibt es auch wieder Hühner auf dem Hof, die sie selbstständig betreut. «Ich habe ein Stück Freiheit zurück», freut sie sich. Und diese Freiheit möchte sie auch ausnutzen. «Ich wünsche mir, dass sich meine Krankheit nicht verschlechtert und ich weiterhin auf dem Hof mithelfen kann», sagt sie. Denn nebst ihren erwachsenen Töchtern und ihrer Familie sind es die Tiere, die sie antreiben. Auch wenn sie immer weniger mit den Tieren arbeitet, sondern mehr Buchhaltung, Administration und Organisation übernimmt.
Übrigens: Interessierte können auf dem Bauernhof auch Ferien machen.
www.oberfringeli.ch


Bild links: Mit dem JST Mountain Drive bewegt sie sich sicher auf dem Gelände auf 800 m ü.M. – auch abseits der geteerten Wege.
Bild rechts: Der Elektrorollstuhl ist so konstruiert, dass er perfekt für ein Leben und die Arbeit auf dem Bauernhof ist.