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„Ver­si­cher­te sol­len ihre Erwerbs­tä­tig­keit erhalten.“

Manch­mal braucht es einen Elek­tro­roll­stuhl, der ein biss­chen mehr oder weni­ger Anfor­de­run­gen erfül­len muss als ein her­kömm­li­cher Elek­tro­roll­stuhl. Alex­an­dra Frey, die Lei­te­rin des SAHB-Hilfs­mit­tel­zen­trums Itti­gen (BE), spricht mit der Exma INFO über die Elek­tro­roll­stüh­le für beson­de­re Situationen.

  • von Nino Campanella
Versicherte sollen ihre Erwerbstätigkeit erhalten. - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz

Der Roll­stuhl­ta­rif­ver­trag unter­schei­det zwi­schen gelis­te­ten und unge­lis­te­ten Elek­tro­roll­stüh­len. Was ist dar­un­ter zu verstehen?
Der Roll­stuhl­ta­rif­ver­trag unter­schei­det fünf Haupt­klas­sen von Roll­stüh­len. Dies sind Adap­tiv­roll­stüh­le, ein­fa­che Basis­roll­stüh­le, Kin­der­roll­stüh­le, viel­fäl­tig ver­stell­ba­re Spe­zi­al­roll­stüh­le und Elektrorollstühle.

Damit ein Elek­tro­roll­stuhl gelis­tet, d.h. von der Inva­li­den­ver­si­che­rung (IV) ver­gü­tet wird, muss ihn der Fach­han­del, der Impor­teur oder der Her­stel­ler bei der Modell­kom­mis­si­on der Tarif­kom­mis­si­on zur Auf­nah­me ein­ge­ben. Die­se prüft ihn, denn er muss klar defi­nier­te Kri­te­ri­en erfül­len. Die IV ver­gü­tet die gelis­te­ten Roll­stüh­le nach einem Pau­schal­sys­tem. Die Ärz­tin oder der Arzt füllt für die ver­si­cher­te Per­son die ärzt­li­che Ver­ord­nung zur Abga­be eines Roll­stuhls aus. Anhand die­ser Ver­ord­nung wird der Behin­de­rungs­grad ermit­telt. Je nach Behin­de­rungs­grad erhält der Fach­han­del eine bestimm­te Sum­me für den Elek­tro­roll­stuhl. Es spielt kei­ne Rol­le, wel­chen Roll­stuhl aus der Lis­te die ver­si­cher­te Per­son erhält. Jeder Roll­stuhl in der Lis­te kos­tet die IV gleich viel.

Als der Roll­stuhl­ta­rif­ver­trag ent­stan­den ist, hat es nur gelis­te­te Elek­tro­roll­stüh­le gege­ben. Unge­lis­te­te Roll­stüh­le erfül­len nicht alle Kri­te­ri­en auf der Lis­te und wer­den die­se auch nie erfül­len. Die Erfah­rung hat jedoch gezeigt, dass nicht alle Ver­si­cher­ten mit gelis­te­ten Pro­duk­ten ver­sorgt wer­den kön­nen. Des­halb sind wei­te­re Kate­go­rien dazu­ge­kom­men: die unge­lis­te­ten Elektrorollstühle.

Wel­che Kate­go­rien unter­schei­det man bei den unge­lis­te­ten Elektrorollstühlen?
Zuerst hat es die Kate­go­rie der Elek­tro­roll­stüh­le für den Aus­sen­be­reich gege­ben, wir nen­nen sie auch Out­­door-Elek­­tro­rol­l­­stüh­­le. Mit der Zeit hat sich her­aus­kris­tal­li­siert, dass man­che Ver­si­cher­te auch mit einem ein­fa­che­ren Elek­tro­roll­stuhl klar­kom­men. So ist die Kate­go­rie der Elek­tro­roll­stüh­le für den Innen­be­reich sowie den beschränk­ten Ein­satz im Aus­sen­be­reich dazu­ge­kom­men. Bei den unge­lis­te­ten Roll­stüh­len funk­tio­niert die Finan­zie­rung anders: Die IV ver­gü­tet sie nicht durch eine Pau­scha­le, son­dern zum Marktpreis.

Versicherte sollen ihre Erwerbstätigkeit erhalten. - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz 1 Versicherte sollen ihre Erwerbstätigkeit erhalten. - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz 2 Versicherte sollen ihre Erwerbstätigkeit erhalten. - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz 3

Aus­flü­ge an stei­ni­ge Ufer – der JST Moun­tain Dri­ve macht es möglich.
Dank den klei­nen Rädern vor­ne und hin­ten ver­la­gert sich das Gewicht, je nach­dem ob man einen Hang hin­auf- oder hin­un­ter­fährt. Der Nut­zer ist auch im Schnee sicher unterwegs.
Die Nut­ze­rin führt dank dem JST Moun­tain Dri­ve ihren Reit­be­trieb wei­ter und ist sicher im Stall, im Sand oder auf Wie­sen unterwegs.
(Bild 1–3: © JST Mul­tid­ri­ve AG)

Was kann ein Out­­door-Elek­­tro­rol­l­­stuhl, und wo kommt er zum Einsatz?
Sol­che Roll­stüh­le sind für unweg­sa­mes Gelän­de, Wie­sen oder für die Ber­ge kon­zi­piert. Out­­door-Elek­­tro­rol­l­­stüh­­le sind ganz anders kon­stru­iert als her­kömm­li­che Elek­tro­roll­stüh­le. Sie haben zum Bei­spiel einen Vier­rad­an­trieb oder eine Bau­art, die bei Stei­gun­gen auto­ma­tisch aus­ba­lan­ciert. Man­che Model­le sind brei­ter, robus­ter und ver­fü­gen über eine ande­re Traktion.

Für wen eig­net sich ein sol­cher Rollstuhl?
Im Prin­zip eig­net er sich für alle, die ein Moun­tain­bike auf vier Rädern möch­ten und ger­ne auf unbe­fes­tig­ten Wegen unter­wegs sind. Wir erhal­ten immer wie­der Anfra­gen von Per­so­nen, die einen Out­­door-Elek­­tro­rol­l­­stuhl möch­ten. Hier haben wir jedoch ein ver­si­che­rungs­tech­ni­sches Pro­blem, denn die IV sieht einen sol­chen Roll­stuhl nur für Men­schen vor, die dort woh­nen, wo kein ande­rer Roll­stuhl funk­tio­niert, oder für Per­so­nen, die ihn benö­ti­gen, um ihrer Erwerbs­tä­tig­keit nach­zu­ge­hen. Ein Bei­spiel für eine sol­che Nut­zung kön­nen Sie im Erleb­nis­be­richt lesen. Ein wei­te­res Bei­spiel ist eine Reit­leh­re­rin: Auf­grund eines Unfalls ist sie Para­ple­gi­ke­rin, kann aber dank die­ses Roll­stuhls ihren Betrieb wei­ter­füh­ren. Sie fährt auf dem Sand­platz und auf Wie­sen umher und führt Pfer­de aus. Für sol­che Ein­sät­ze finan­ziert die IV die Rollstühle.

Wel­che Model­le gibt es in der Schweiz?
In der Schweiz haben sich zwei Model­le eta­bliert: der Magic Mobi­li­ty Extre­me X8 und der JST Moun­tain Dri­ve. Der X8 hat einen Vier­rad­an­trieb, ist wegen sei­ner gros­sen Pneus aber nicht für Städ­te geeig­net. Bei Bal­lon­pneus fah­ren sich die Rei­fen auf dem Asphalt sehr schnell ab. Er hat mehr Ein­stell­mög­lich­kei­ten als der JST und ist für Per­so­nen mit schwe­re­ren Mobi­li­täts­ein­schrän­kun­gen geeig­net. Der JST hat einen Zwei­rad­an­trieb und ver­fügt über ein spe­zi­el­les Sys­tem, das das Gewicht ausbalanciert.

Sie haben das Modell JST Moun­tain Dri­ve selbst getes­tet. Was haben Sie gemacht, und wie waren Ihre Erfahrungen?
Ich war auf dem Stock­horn im Ber­ner Ober­land. Zuerst fuhr ich auf dem für Tou­ris­ten ange­leg­ten Wan­der­weg. Es war kalt und nass, da es tags zuvor gereg­net hat­te, und die Boden­ver­hält­nis­se waren ent­spre­chend schlecht. Doch ich fuhr quer über die Kuh­wie­sen und war wirk­lich beein­druckt, wie gut er brems­te. Beim Berg­ab­fah­ren liess ich den Joy­stick los. Ich dach­te, ich wür­de auf den Rädern wei­ter rut­schen – das ist jedoch nicht pas­siert. Der Roll­stuhl blieb mit­ten im Hang stehen.

Auch die Art der Kon­struk­ti­on emp­fand ich als sehr ange­nehm. Er hat in der Mit­te zwei Antriebs­rä­der sowie vor­ne und hin­ten zusätz­lich klei­ne Räder. Fährt man einen Hang hin­un­ter, ver­la­gert sich das Gewicht nach hin­ten, beim Berg­auf­fah­ren nach vor­ne. Ich war stets gut aus­ba­lan­ciert und hat­te nie das Gefühl, in Hang­la­ge aus dem Stuhl zu fallen.

Kann man einen sol­chen Roll­stuhl auch drin­nen ein­set­zen und nur die­sen nutzen?
Nein, die Out­­door-Elek­­tro­rol­l­­stüh­­le sind nicht für drin­nen gedacht. Der JST Moun­tain Dri­ve ist durch den gros­sen Rad­sturz viel zu breit und passt durch kei­ne her­kömm­li­che Türe. Aus­ser­dem gilt: Sind die­se Roll­stüh­le dort im Ein­satz, wo sie hin­ge­hö­ren, sehen sie ent­spre­chend aus. Wenn ich mit dem Roll­stuhl draus­sen im Dreck oder im Stall unter­wegs war, möch­te ich damit nicht mehr ins Wohn­zim­mer fah­ren. Der Magic Mobi­li­ty Extre­me X8 ist so mas­siv gebaut, dass es sich drin­nen anfühlt, als wür­de man mit einem Pan­zer um den Küchen­tisch fah­ren. Das funk­tio­niert nur, wenn jemand sehr viel Platz hat und der Stuhl opti­mal ange­passt ist – sau­ber ist er dann trotz­dem nicht.

Sie haben die Finan­zie­rung bereits ange­spro­chen. Die IV finan­ziert nicht allen Inter­es­sier­ten einen Out­­door-Elek­­tro­rol­l­­stuhl. Wor­an liegt das?
Grund­sätz­lich hat Anspruch auf einen Elek­tro­roll­stuhl, wer sich nicht selbst­stän­dig mit einem Hand­roll­stuhl fort­be­we­gen kann. Ist die­se Bedin­gung erfüllt, hat die Per­son Anspruch auf einen gelis­te­ten Elek­tro­roll­stuhl. Anspruch auf einen Out­­door-Elek­­tro­rol­l­­stuhl hat nur, wer ihn zum Arbei­ten braucht oder nur dank ihm nach Hau­se gelan­gen kann. Und: Die Per­son muss ihn selbst fah­ren können.

Wenn aber jemand unbe­dingt so ein Modell möch­te, kann die Per­son es bei der IV bean­tra­gen. Die IV leis­tet einen Kos­ten­bei­trag im Rah­men des Roll­stuhls, auf den die Per­son Anspruch hät­te. Den Rest bezahlt die oder der Interessent/in selbst. Wir raten unse­ren Klient/innen von sol­chen Anschaf­fun­gen ab, denn sie ver­bau­en sich bei der IV dadurch vie­les: In die­sem Fall hat die ver­si­cher­te Per­son einen Elek­tro­roll­stuhl, den sie draus­sen nut­zen kann. Braucht sie zudem einen Elek­tro­roll­stuhl für drin­nen, wird es bei der IV schwierig.

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Mit sei­nem Vier­rad­an­trieb ist der Magic Mobi­li­ty Extre­me X8 der idea­le Beglei­ter in der Natur.

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Dank den gros­sen Pneus fährt der Magic Mobi­li­ty Extre­me X8 pro­blem­los durch Sand.
Der Magic Mobi­li­ty Extre­me X8 ist auf unter­schied­lichs­te Bedürf­nis­se anpassbar.

Ein Out­­door-­Elek­­tro­rol­l­­stuhl ist sehr teu­er. Gibt es für Inter­es­sier­te ande­re Mög­lich­kei­ten als die IV, um finan­zi­el­le Unter­stüt­zung zu erhalten?
Inter­es­sier­te kön­nen bei Stif­tun­gen anfra­gen, zum Bei­spiel bei der Pro Infir­mis oder der Stif­tung Cere­bral. Eine Garan­tie, dass sie zah­len, gibt es aller­dings nicht.

Aber: Die Stif­tung Cere­bral ver­mie­tet güns­tig an ver­schie­de­nen Aus­flugs­zie­len in der Schweiz und im Fürs­ten­tum Liech­ten­stein Elek­tro­roll­stüh­le des Modells JST Moun­tain Dri­ve, etwa auf dem Stock­horn, wo ich war, oder auch im Frei­licht­mu­se­um Bal­len­berg. Das ist super, denn so kön­nen auch Roll­stuhl­nut­zen­de in den Ber­gen unter­wegs sein.

Gibt es Alter­na­ti­ven für Inter­es­sier­te, um auf unbe­fes­tig­ten, sehr stei­len Wegen und in den Ber­gen gut unter­wegs zu sein?
Eine gelän­de­gän­gi­ge Alter­na­ti­ve ist der Swiss-Trac. Dies ist ein Antrieb, den Nut­zen­de an den Hand­roll­stuhl kup­peln. Jedoch stra­pa­ziert das Gelän­de den Hand­roll­stuhl. Wich­tig zu wis­sen ist auch: Die IV ist nicht für die Frei­zeit­ge­stal­tung der Ver­si­cher­ten zustän­dig. Wer sich einen Swiss-Trac für die Frei­zeit anschaf­fen will, muss ihn selbst bezahlen.

Zur Kate­go­rie der Elek­tro­roll­stüh­len für den Innen­be­reich gehö­ren auch falt­ba­re Elek­tro­roll­stüh­le. Wer bedarf eines sol­chen Rollstuhls?
Ein klas­si­sches Bei­spiel sind Patient/innen mit Mul­ti­pler Skle­ro­se (MS). Sie kön­nen zwar noch selbst gehen, draus­sen wird dies aber lang­sam schwie­rig. Oft sind sie auch men­tal noch nicht bereit für einen Elek­tro­roll­stuhl, brau­chen jedoch ein Hilfsmittel.

Wel­ches sind die Vor- und die Nachteile?
Die­se Stüh­le sind für den Innen­ge­brauch gedacht. Somit erfüllt ein falt­ba­rer Elek­tro­roll­stuhl sei­nen Zweck, wenn die nut­zen­de Per­son damit ins Muse­um oder Ein­kaufs­zen­trum will. Die Ange­hö­ri­gen laden den Roll­stuhl ein­fach ins Auto ein, da er ver­hält­nis­mäs­sig leicht ist. Er ist schnell auf- und zusam­men­ge­klappt, jeder­zeit ver­füg­bar und zu Hau­se gut ver­staub­ar. Kom­for­ta­bel sind die­se Stüh­le aber nicht: Sie haben eine kür­ze­re Stre­cken­ka­pa­zi­tät als ande­re Elek­tro­roll­stüh­le, sind weder ein­stell- noch ver­stell­bar, gar nicht oder nur schlecht gefe­dert und haben kein Licht. Wegen der klei­nen Räder sind Rand­stei­ne unüber­wind­bar. Aus­ser­dem lässt sich die Sitz­nei­gung nicht ein­stel­len, was die Gefahr des Her­aus­fal­lens birgt.

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Der Elek­tro­roll­stuhl Qui­ckie Q50R lässt sich ein­fach zusam­men­fal­ten und in die Feri­en mitnehmen.

Aus wel­chen Model­len kön­nen Inter­es­sier­te auswählen?
Da gibt es vie­le. Meis­tens ist es regio­nal unter­schied­lich, je nach­dem, wel­che Model­le der Fach­han­del führt. Bei die­sen Roll­stüh­len han­delt es sich um Nischen­pro­duk­te. Wir erhal­ten rela­tiv weni­ge Anfra­gen. Jedoch schaf­fen sich man­che Klient/innen selbst ein sol­ches Modell als zwei­ten Elek­tro­roll­stuhl an, zum Bei­spiel für die Ferien.

Wie sieht die Finan­zie­rung der IV für einen sol­chen Roll­stuhl aus?
Als Ers­tes muss eine inter­es­sier­te Per­son die Abga­be­vor­aus­set­zun­gen für einen Elek­tro­roll­stuhl erfül­len und darf noch kei­nen besit­zen. Bean­tragt sie dann einen falt­ba­ren Elek­tro­roll­stuhl, ist die Finan­zie­rung im Prin­zip kein Pro­blem, denn er ist güns­ti­ger als ein gelis­te­tes Modell. Wir raten unse­ren Klient/innen jedoch davon ab, einen sol­chen Roll­stuhl über die IV zu bezie­hen. Es ist unse­re Auf­ga­be, sie zu bera­ten und auch dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sie sich mit einem sol­chen Modell mehr ver­bau­en. Bei Erkran­kun­gen wie MS ist es Rea­li­tät, dass Betrof­fe­ne über kurz oder lang ein bes­se­res Hilfs­mit­tel brau­chen. Wir den­ken mit und emp­feh­len hin­sicht­lich der Zukunft Hilfs­mit­tel, die lang­le­bi­ger und anpass­ba­rer sind. Die IV ist dar­an inter­es­siert, einen Roll­stuhl zu finan­zie­ren, der vie­le Jah­re im Ein­satz ist und sich an neue Bedürf­nis­se anpas­sen lässt – das erfül­len falt­ba­re Roll­stüh­le nicht.

Zur Kate­go­rie der Elek­tro­roll­stüh­le für den Innen­be­reich gehö­ren die klas­si­schen, klei­nen Innen­elek­tro­roll­stüh­le. Was zeich­net die­se aus?
Ich nen­ne sie ger­ne die fah­ren­den Büro­stüh­le. Sie sind sehr klein, sehr wen­dig und haben häu­fig einen inte­grier­ten Sitz­hö­hen­lift, durch den Nut­zen­de auf die pas­sen­de Arbeits­hö­he gelan­gen. Für drin­nen als Arbeits­stuhl eig­nen sie sich sehr gut.

Auch bei die­sem Elek­tro­roll­stuhl han­delt es sich um ein Nischen­pro­dukt. Doch ein sol­ches Pro­dukt hat durch­aus sei­ne Berech­ti­gung. Wir hat­ten schon Fäl­le, bei denen ein Bade­zim­mer­um­bau nicht mög­lich war, aber dank einem sol­chen Roll­stuhl konn­te die betrof­fe­ne Per­son das Bade­zim­mer erreichen.

Ein sol­ches Pro­dukt eig­net sich für Men­schen, die eine leich­te kör­per­li­che Ein­schrän­kung bzw. gewis­se Rest­funk­tio­nen haben, wie zum Bei­spiel Per­so­nen mit MS im Anfangs­sta­di­um oder einer Hemiplegie.

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Schnell auf­ge­klappt, ist der Elek­tro­roll­stuhl Qui­ckie Q50R ide­al für Besu­che im Ein­kaufs­zen­trum. (Bild: 4–8: © Sun­ri­se Medi­cal AG)

Was sind die Nachteile?
Zum Teil brin­gen schon klei­ne Ram­pen den Roll­stuhl beim Dar­über­fah­ren zum Umkip­pen. Dar­um ist es wich­tig, dass Inter­es­sier­te genau abklä­ren, wo und wie sie den Roll­stuhl ein­set­zen wol­len. Wei­te­re Nach­tei­le sind die klei­nen Räder, die kur­ze Reich­wei­te, die feh­len­de Beleuch­tung und aus­ser der Sitz­hö­he gibt es kei­ne Ver­stell­funk­tio­nen. Das heisst, so ein Roll­stuhl ist nicht indi­vi­du­ell anpass­bar, auch bei der Sitz­brei­te sind die Aus­wahl­mög­lich­kei­ten beschränkt.

Wel­che Model­le gibt es auf dem Schwei­zer Markt?
Das hängt auch vom regio­na­len Fach­han­del ab. Oft­mals han­delt es sich um Pro­duk­te, die kom­men und gehen – fast wie Trend­pro­duk­te. Die­se Elek­tro­roll­stüh­le müs­sen viel weni­ger Anfor­de­run­gen erfül­len als etwa ein Outdoor-Rollstuhl.

Finan­ziert die IV die­se Rollstühle?
Die IV finan­ziert sol­che Roll­stüh­le, wenn sie als Arbeits­ge­rät gebraucht wer­den, egal ob es sich um jeman­den mit einem Büro­job oder um eine Haus­frau han­delt, die ihn zum Erfül­len ihrer Auf­ga­ben braucht. Die IV setzt alles dar­an, die Erwerbs­tä­tig­keit der Ver­si­cher­ten zu erhalten.

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Zur Per­son
Alex­an­dra Frey hat einen Abschluss als eidg. diplo­mier­te Bäue­rin und war als Betriebs­hel­fe­rin tätig. Danach liess sie sich zur Ergo­the­ra­peu­tin aus­bil­den. Sie arbei­te­te in der Hand- wie auch in der Neu­ro­re­ha­bi­li­ta­ti­on. Anschlies­send war sie im Reha-Fach­han­­del ver­ant­wort­lich für Roll­stuhl­ver­sor­gun­gen und ortho­pä­di­sche Sitz­scha­len. Seit dem Jahr 2009 arbei­tet sie bei der SAHB. Zuerst war sie bera­tend in Oen­sin­gen (SO) tätig, seit 2018 lei­tet sie das Hilfs­mit­tel­zen­trum in Itti­gen (BE). Zudem führt sie den Fach­be­reich Hilfs­mit­tel Erwach­se­ne und gemein­sam mit Chris­tof Elmi­ger den Fach­be­reich Roll­stuhl Erwach­se­ne bei der SAHB.

 

Kurz erklärt
Der Roll­stuhl­ta­rif­ver­trag regelt die Finan­zie­rung sämt­li­cher Roll­stüh­le. Es han­delt sich dabei um einen umfas­sen­den Ver­trag zwi­schen den Leis­tungs­er­brin­gern, also dem Fach­han­del, und den Ver­si­che­run­gen wie der IV oder Unfallversicherungen.

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